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Amazon lässt deutschen Ecommerce beim Ranking hinter sich

10
Jan

Bei deutschen Konsumenten genießt der Online-Versandhändler Amazon größtes Vertrauen. Aus einer aktuellen Einzelhandelsstudie der Strategieberatung OC&C geht der Versandhändler als klarer Sieger hervor. Amazon kann das Ranking der deutschen Handelsunternehmen mit großem Vorsprung anführen. Aus Kundenperspektive spielt das Online-Warenhaus den Studienergebnissen zufolge in einer eigenen Liga.

Bei dem Proposition Index 2011 handelt es sich um eine Analyse des Leistungsversprechens von führenden deutschen Einzelhandelsunternehmen. Nur etwa die Hälfte der Unternehmen, die im Rahmen der Studie untersucht wurde, konnte mit sehr guten oder guten Beurteilungen die Analyse abschließen. Auf dem zweiten Platz liegt wie bereits im Vorjahr der Drogeriemarkt DM.

Insbesondere bei den Kriterien Preis-Leistungsverhältnis und Kundenvertrauen schneidet die Drogerie mit sehr guten Ergebnissen ab. Im Vorjahresvergleich musste das Unternehmen insgesamt jedoch leichte Verluste in Kauf nehmen. Der dritte Platz ging 2011 an Globus. Der Lebensmittelhändler konnte sowohl beim Preis-Leistungsverhältnis als auch bei der Produktqualität glänzen. Die weiteren Plätze gingen an Douglas, Thalia und Ebay.
Zara gilt bei der aktuellen Studie als bester Aufsteiger und rangiert in der Analyse auf Rang 16. Der Textileinzelhändler konnte im Vergleich zum Vorjahr 20 Plätze gut machen. Von Seiten der Kunden werden die Produkte von Zara mit dem höchsten Modegrad bewertet. Aldi musste als besonders renommierter Player dagegen stark nachgeben. Im Vorjahr konnte der Discounter noch den dritten Platz erreichen. Im Zuge der aktuellen Studie bricht der Discounter ein und landet auf Rang 13. Bei den Kriterien Preis und Preis-Leistungsverhältnis konnte Aldi zwar erneut gut abschneiden, allerdings machten sich die steigenden Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten bei dem aktuellen Ranking bereits negativ bemerkbar. Wettbewerbern ist es zudem bereits gelungen ihre Stärken in anderen Bereichen des Leistungsversprechens wie dem Service und der Qualität zu nutzen. Aldi musste im LEH-Bereich damit nicht nur Globus, sondern auch das Handelsunternehmen Kaufland passieren lassen. Letzteres landete auf Rang 8.

Krise bei Discounter-Formaten

Abgesehen von Aldi zählen weitere Discount- und Niedrigpreisformate zu den Verlierern der Studie. Unter den Schwächen des eigenen Konzepts leidet im Lebensmitteleinzelhandel vor allem Penny. In Zukunft wird sich der Händler nach Einschätzungen der Studienautoren nur schwer gegenüber Konkurrenten wie Aldi und Lidl behaupten können. Kik kann im textilen Einzelhandel zwar die Kategorie Preis weiter anführen, mit Blick auf die Gesamtpositionierung hat das Unternehmen jedoch weiter an Boden verloren. Demnach rangiert Kik bei der aktuellen Studie am Ende des Feldes auf dem 63. Platz. Kik konzentriert sich infolge der Beschaffungspreise sehr stark auf eine effiziente Lieferkette. Dabei geht die Konzentrierung jedoch stark zu Lasten der Kundenwahrnehmung. So hat das Vertrauen in die Marke deutlich gelitten. Damit ist Kik insgesamt für die künftigen Herausforderungen schlechter gerüstet als der Konkurrent Takko, der etwas besser positioniert ist.

Deutsche Drogerien im internationalen Vergleich Weltspitze

Beim internationalen Vergleich zeigt sich deutlich, dass vor allem die deutschen Drogeriekonzepte Weltspitze sind. Demnach bieten Drogerieketten wie DM, Rossmann und Müller ihren Kunden ein Einkaufserlebnis zu einem günstigen Preis. Gleiches gilt für die Parfümerie Douglas. Auch erfolgreiche Eigenmarkenkonzepte konnten von dem positiven Händlerimage profitieren. Dagegen ergibt sich sowohl im Textilhandel als auch im Baumarktbereich ein anderes Bild. Das Ausland hat hier gegenüber den deutschen Konzepten deutlich die Nase vorn. Dabei wird der Textilhandel zunehmend durch immer globalere Kundenbedürfnisse geprägt. Konnte H&M gestern noch den deutschen Markt bedrängen, rücken in Zukunft Anbieter wie Primark, Berschka und Abercrombie nach. Durch die Entwicklungen stehen deutsche Modeunternehmen, die internationalen Konzepten nichts entgegenzusetzen haben, schweren Zeiten gegenüber. Sowohl bei den nationalen als auch bei den internationalen Kunden schneidet der Baumarktbereich am schlechtesten ab. Bei gleichzeitig sinkenden Preisen leidet die Branche unter einem anhaltend steigenden Leistungsversprechen. Mit einer verfehlten Preisstrategie hat vor allem Praktiker sein Leistungsversprechen nachhaltig beschädigt.

Unter dem permanenten Ertragsdruck leidet bei dem Unternehmen vor allem der Service in gravierender Form. Dieser bleibt in vielen Fällen auf der Strecke. Derzeit herrscht im Baumarktbereich ein anhaltender Konsolidierungs- und Übernahmedruck. Dieser wird sich erst nach einer Marktbereinigung wieder entspannen können.

Multichannel-Konzepte sind weiter im Trend

In Deutschland ist der Erfolg von reinen Online-Händlern, die auch als Pureplay Online bekannt sind, noch vergleichsweise schwach. Lediglich Giganten wie Amazon und Ebay können sich an dieser Stelle unter den besten Einzelhändlern behaupten. Mit Notebooksbilliger kommt erst auf Platz 35 der drittbeste Online-Anbieter. Der Grund für den weiter schwachen Erfolg, ist das junge Alter. So sind die meisten Online-Händler in Deutschland erst seit vergleichsweise kurzer Zeit auf dem Markt und haben sich aus diesem Grund noch nicht allzu stark etablieren können. Ein anderes Bild zeigt sich in Großbritannien, wo bereits mehrere reine Online-Anbieter auf den vorderen Plätzen positioniert sind.

Die Vorteile des Online-Kanals werden bei einem Blick in die Unterhaltungselektronik deutlich. In der Preisstellung setzt er sich gegenüber dem stationären Wettbewerb wenig überraschend durch. Beim Kundenvertrauen schneiden Online-Händler dagegen überraschend besser ab. Das stationäre Einkaufserlebnis liegt klassischerweise mit besserem Service und Beschwerdemanagement vorne. Das größere Vertrauen bei den Verbrauchern genießt mittlerweile jedoch der Online- bzw. Multichannelhandel. Die Ehre des deutschen Onlinegeschäfts wird neben Amazon und Ebay vor allem durch die deutschen Multichannelanbieter hochgehalten. Unter den Top Ten kann sich so auch nach einem erfolgreichen Turnaround Tchibo behaupten. Mit Sportscheck und Ulla Popken gibt es auch im deutschen Mittelstand Vorbilder für Multichannelstrategien mit Erfolg.

Für die aktuelle Studie wurden mehr als 3.300 deutsche Konsumenten zu insgesamt 65 deutschen Einzelhändlern aus verschiedenen Sektoren befragt. Die Befragten haben neben Preis und Preis-Leistungsverhältnis auch die Dimensionen Produktqualität und Auswahl, sowie weitere Faktoren bewertet.

Quelle: ibusiness