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Daimler-Fall gibt Social-Media-Verantwortlichen wichtige Learnings

31
Mai

Durch den Fall „Daimler vs. Facebook-Gruppe Daimerler-Kollegen gegen Stuttgart 21“ zeigt sich einmal mehr, wie wichtig ein schneller und vor allem auch souveräner Umgang mit Krisen in der Social Media ist. Doch auch die Bedeutung des Monitorings und des aktiven Reputationsmanagements wird mit diesem erneut unter Beweis gestellt. Social-Media-Verantwortliche können aus dem aktuellen Fall insgesamt drei Learnings ziehen.

Gerade für Unternehmen ist der richtige Umgang mit Social Media richtungsweisend, erweist sich jedoch als überaus komplex. Welche Gefahren damit in Verbindung stehen, zeigt ein aktueller Fall des schwäbischen Autobauers Daimler AG. Auch weiterhin wird dem Konzern vorgeworfen, dass er versucht hat, die Facebook-Gruppe „Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21“ abzuschalten. Mittlerweile wurde die Gruppe gelöscht. Im Rahmen dieser wurden Angela Merkel, Daimler-Chef Dieter Zetsche und Stefan Mappus als „Spitze des Lügenpacks“ bezeichnet.

Insgesamt fünf Beschäftigte des Automobilkonzerns wurden zu einem Gespräch in die Personalabteilung gebeten, nachdem sie den „Gefällt mir“-Button genutzt hatten. Im Beisein des Betriebsrats wurden sie darauf hingewiesen, dass sie gegen Vereinbarungen, die firmenintern bestehen, verstoßen haben. Dieses Vorgehen war für einen Teil der medialen Berichterstattung ein gefundenes Fressen. So wurde teilweise auch von Zensur und Bespitzelung geredet. Auf die Kritik reagierte Daimler jedoch überraschend souverän. Sowohl via Twitter als auch im eigenen Mitarbeiterblog des Unternehmens bezog Uwe Knaus, Social-Media-Verantwortlicher bei Daimler, Stellung. Dabei erklärte er nicht nur seine Sicht der Dinge, sondern erklärte auch, was tatsächlich im Konzern passiert sei. Knaus orientierte sich an dem Social Media Leitfaden für Mitarbeiter der Daimler Benz AG.

Dieser Leitfaden wurde in dem Arbeitsvertrag verankert und ist damit für die Mitarbeiter auch bindend. Laut Knaus wurden die Mitarbeiter lediglich erneut auf die Einhaltung der Richtlinien hingewiesen. In dem Gespräch soll es weder zu einer Abmahnung noch zu einem Eintrag in die Personalakte gekommen sein. Auch weitergehende Maßnahmen wurden nicht eingeleitet.
Uwe Knaus betonte in seiner Stellungnahme, dass das Unternehmen die Löschung der Gruppe nicht veranlasst hat. Darüber hinaus sei Daimler dazu auch nicht in der Lage. Der Social Media Verantwortliche von Daimler hat für diesen offensiven Umgang deutlichen Beifall geerntet. So bezeichnete David Nelles das Agieren von Knaus als Paradebeispiel für einen authentischen Umgang mit der Social Media. Der aktuelle Fall zeigt, wie wichtig es für ein Unternehmen ist, ein verbindliches Regelwerk zum Umgang mit der Social Media zu haben. Auch die Kommentare, die zu dem Blogbeitrag von Knaus verfasst wurden, belegen, dass der Konzern richtig und ebenso auch fair mit dem Vorfall umgeht. Doch nicht alle hatten lobende Worte für Knaus übrig. So gibt es auch ein, zwei Handvoll kritische Kommentare. In diesen wird darauf hingewiesen, dass die Reaktion zu spät erfolgte. So spricht Andreas Becker in seinem Kommentar von unglücklichen Unternehmens-Stellungnahmen.

Bei einer guten Krisenkommunikation müssen Unternehmen auf zehn Punkte achten. An vorderster Stelle stehen dabei Schnelligkeit, Reaktionen, sowie das Vermeiden von Konfrontationen. Des Weiteren sollte die Relevanz bewertet und mit Persönlichkeit gepunktet werden. Es ist wichtig, dass sich Unternehmen im Krisenmanagement nicht überraschen lassen und entsprechende Strategien definieren. Unerlässlich ist das Aufsetzen von Social Media Guidelines und der Grundsatz „First think, then react“. An letzter Stelle steht der Erfolg der Krisenkommunikation.

Doch der aktuelle Daimler-Fall zeigt auch, wie wichtig es ist, dass sich Unternehmen und Mitarbeiter mit der Relevanz einiger rechtlicher Implikationen auseinandersetzen. Mit der wachsenden Verbreitung der Social Media nehmen auch Fragen zu, in denen es um rechtliche Aspekte geht. Viele Unternehmen  und Mitarbeiter wissen nicht, wo die rechtlichen Grenzen für Äußerungen im Social Web liegen. Auch der Zeitpunkt, zu dem man gegen rechtliche Aussagen vorgehen kann, ist weitestgehend unbekannt. Darüber hinaus sollte rechtzeitig geklärt werden, wann der Arbeitgeber legitimer Weise gegen Aussagen von Mitarbeitern im Social Web vorgehen kann.

Grundlegend erlauben es Portale wie Twitter oder auch Facebook Internetnutzern, alle erdenklichen Inhalte ins Web zu stellen. Da die Möglichkeit besteht, diese anonym abzugeben, werden viele zur Veröffentlichung von rufschädigenden oder auch beleidigenden Aussagen verleitet. Im Grunde hat jeder das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist jedoch durch allgemeine Gesetze, letztlich aber auch durch das Recht der persönlichen Ehre möglich. Dabei endet das Recht der Meinungsfreiheit immer an den Stellen, an denen in die berechtigen Interessen von Dritten zu stark eingegriffen wird. Als rechtswidrig werden damit sowohl Formalbeleidigungen als auch Schmähkritik angesehen. Von einer Schmähkritik ist immer dann die Rede, wenn eine Person oder ein Unternehmen durch bestimmte Äußerungen herabgesetzt und sie gleichsam an den Pranger gestellt wird.

Dabei ist die Unzulässigkeit von unterschiedlichen Äußerungen in der Regel eine Frage des Einzelfalls. An dieser Stelle können sich Unternehmen jedoch an bereits vorhandenen Gerichtsurteilen orientieren. Als unzulässig gelten aber auch objektiv falsche Tatsachenbehauptungen, durch die ein Unternehmen oder eine Person in Misskritik gebracht wird. Obwohl die Social Media in vielen Bereichen angekommen ist, gibt es noch immer zahlreiche Personen, zu denen auch Mitarbeiter gehören, die den richtigen Umgang mit den sozialen Medien nie gelernt haben und damit auch ein Gefühl dafür haben. Gerade bei solchen Personen muss die Einführung von Social Media Guidelines oder auch einer Social Media Governance als empfehlenswert gewertet werden. Durch diese Guidelines werden sowohl das Unternehmen als auch die Mitarbeiter vor arbeitsrechtlichen Maßnahmen geschützt.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wenn es zu rechtswidrigen Aussagen kommt, die die jeweiligen Personen oder die Unternehmen in Anspruch nehmen können. Im Fokus steht als originär Verantwortlicher immer derjenige, der die entsprechenden Aussagen getätigt hat. Es ist möglich, dass gegen diesen Beseitigungs-, Unterlassungs- oder eben auch Schadenersatzansprüche bestehen. Neben einer anwaltlichen Abmahnung ist gegen den Verantwortlichen auch die gerichtliche Geltendmachung von eventuellen Ansprüchen möglich.

Unternehmen sollten jedoch immer mit dem nötigen Augenmaß vorgehen, denn es kann gerade in den sozialen Medien vorkommen, dass es zu ungewollten Rechtsverstößen kommt. Bei der Wahl der Rechtsmittel sollte auch immer auf die Dynamiken des Social Webs eingegangen werden. Eines ist dabei sicher – die Anzahl der rechtswidrigen Aussagen im Social Web wird weiter zunehmen. Grund dafür ist die wachsende Größe und damit auch die zunehmende Verbreitung. Aus diesem Grund sollten sich Unternehmen auf diese mit einer entsprechenden Kommunikationsstrategie auch vorbereiten. Dadurch wird sichergestellt, dass sie gegebenenfalls schnell reagieren können. Bei der Erstellung von Guidelines sollten die Belegschaft und der Betriebsrat dazu gezogen werden.

Quelle: ibusiness