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Lokale Suche und das Ringen um die Spitzenpositionen im Web

24
Jun

Die lokale Suche wird im Internet immer wichtiger und mit ihr beginnt in den Unternehmen auch der Kampf um die Pole Position im Web. Schon jetzt ist um die lokale Suche ein gigantischer Werbemarkt entstanden.  Zahlreiche Online-Publisher buhlen in diesen Tagen um die Gunst der Werbetreibenden. Doch bislang wird der Markt zunehmend von Google dominiert. Mit Places hat der Suchmaschinengigant scheinbar ein neues Erfolgsmodell auf den Markt etablieren können. Sowohl Publisher als auch SEOs müssen auf Google Places und die Entwicklungen in der lokalen Suche reagieren. Ist dies nicht der Fall, werden sich andere künftig deren Werbegeschäft sichern können.


Es gibt mittlerweile mehrere Portale, die die lokale Suche ermöglichen. Sie alle haben im Wesentlichen eine entscheidende Gemeinsamkeit. Dabei handelt es sich um die kostenlosen Basiseinträge. Im Rahmen dieser können Unternehmen ihre Kontaktdaten, Web-Adresse und Öffnungszeiten eintragen. Möchten Unternehmen diesen Basiseintrag aufhübschen und sich damit in den Suchergebnissen vor die Konkurrenz schieben, müssen sie dafür zahlen. Meist wird dieser Service als „Premium-Partner“ bezeichnet. Dieses Geschäftsmodell ist etabliert, könnte jedoch aber durch Googles Agieren bald auch der Vergangenheit angehören.

Der Grund dafür ist simpel und heißt Google Places. Mit Places drängt der Branchenprimus zunehmend auf den Online-Werbemarkt und schafft es etablierte Anbieter in die Schranken zu weisen. Verwundern muss das nicht, denn schon heute haben rund 30 Prozent der Suchanfragen, die bei Google gestellt werden, einen regionalen Bezug. Dieser Anteil beläuft sich lediglich auf das stationäre Endgerät. Mit Bezug auf mobile Endgeräte gestaltet sich das Bild deutlicher. Hier sind schon heute vier von insgesamt 10 Suchanfragen lokal geprägt. Für Unternehmen bringt Google Places darüber hinaus nur Vorteile mit sich.

Bei diesem Angebot ist immerhin nicht nur der Basiseintrag kostenlos. Unternehmen können auch die verschiedensten Branchenbuch-Gimmicks ohne jeglichen Kostenaufwand nutzen. Bequem und gratis lassen sich auf Google Places Fotos und Videos integrieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Places Einträge in den meisten Fällen bei Google prominenter gelistet werden als die Treffer, die aus anderen Branchenverzeichnissen stammen. Google Places liefert dem Nutzer zudem direkt Informationen zu den Kontaktdaten und den Öffnungszeiten. Bei anderen Portalen gelangen User bei Suchanfragen oft erst zu einer weiteren Übersicht, durch die sie sich suchen müssen.

Es ist verständlich, dass Unternehmen zunehmend dazu geraten wird, den Fokus des Lokalmarketings auf Google zu legen. Doch genau dieses Bild gestaltet sich schwieriger als man im ersten Moment vermuten möchte. Es reicht im Lokalmarketing nicht aus, ausschließlich ein Places-Profil anzulegen. Auch hier buhlen unzählige Unternehmen um die vorderen Plätze. Unternehmen sollten aus diesem Grund darauf achten, dass ihre Profile Inhaber-geprüft sind, das heißt, dass sie geclaimt werden. Zudem werden Unternehmen bevorzugt, die bereits in anderen Verzeichnissen auftauchen. Diese landen erfahrungsgemäß auch weiter vorn. Demnach kann sich die Anzahl von Datensätzen für ein Unternehmen durchaus zum Vorteil entwickeln.

Ein Unternehmen gewinnt für Google umso mehr an Relevanz, desto öfter es im Web zu finden ist. Demnach kann sich der User-generated Content für eine Firma durchaus zum Trumpf entwickeln. Auch wenn Google seinen Service kostenlos anbietet, sollten Unternehmen auf entsprechende Profile in Portalen wie Meinestadt.de und Qype nicht verzichten. Nur durch diese Einträge können sie sich einen Platz vor der Konkurrenz sichern.

Die Situation ist für Online-Publisher durchaus kurios. Auf der einen Seiten nutzt Google die Daten der Portale für die eigenen Ergebnisse, auf der andere Seite gräbt ihnen der Branchenprimus aber auch das Wasser ab. Regionale Online-Publisher haben vor allem eine Zukunftschance, wenn sie sich von dem weitverbreiteten Portal-Gedanken verabschieden. Es ist durchaus blauäugig an der Meinung festzuhalten, dass man Google mit eigenen Such- und Verzeichnisdiensten langfristig das Wasser reichen kann.

Bei vielen Online-Publishern ist die Erkenntnis aber noch immer nicht angekommen. So vertrauen sie weiter auf ihr bisheriges Konzept und verweisen dabei gern auf den ganzheitlichen Ansatz den sie verfolgen. Doch auch eventuelle Zusatzdienste, die auf dem Portal zu finden sind, werden gern als Argument für den weiteren Erfolg genannt. Diese Zusatzdienste nützen jedoch gänzlich wenig, wenn die User künftig bei der Lokal-Recherche bei den Angeboten von Google hängen bleiben. Derzeit ist die Meinung weit verbreitet, dass man als Betreiber eines solchen Portals von Google profitieren kann. Momentan scheint diese Idee auch aufzugehen. Viele Online-Publisher sind davon überzeugt, dass sie neue Internetnutzer erhalten, wenn in Places-Profilen Content auftaucht, der aus dem eigenen Regionalportal stammt.

Dieses Bild belegt auch eine iBusiness-Analyse, die basierend auf den AGOF-Zahlen der vergangenen 18 Monate durchgeführt wurde. Die Zahlen zeigen, dass die klassischen Regional-Publisher in den vergangenen Monaten kaum an Reichweite verloren haben und das obwohl die Präsenz von Google im lokalen Suchmarkt deutlich an Boden gewinnt. Wie lang sich dieses Bild halten wird, ist jedoch fraglich. Über kurz oder lang werden auch die User verstehen, dass ein Klick auf den Qype-Treffer im Profil bei Google Places nicht zielführend ist. Die Nutzer haben zudem oft auch keinen Grund dazu Google Places zu verlassen. Letztlich werden zahlreiche Rezessionen, die auf anderen Portalen zu finden sind, auf Google Places vollständig angezeigt.

Stellen Regionalportale ihre Content-Feeds für Google zur Verfügung, werden sie sich in absehbarer Zeit selbst kannibalisieren. Nicht ohne Grund sperren einzelne dieser Portale ihren Content schon heute für die Crawler von Google. Internetnutzer, die über ein Google-Konto verfügen, können schon jetzt eigene Bewertungen für Places verfassen. Damit kann nicht ausgeschlossen werden, dass Google künftig nicht mehr auf den Content von anderen Portalen angewiesen ist, um relevante Suchtreffer liefern zu können. Dieses Szenario scheint nach Ansicht von Experten jedoch noch unwahrscheinlich zu sein.

Zudem hat Google Places im Vergleich zu Qype auch einzelne Schwächen. So tauchen bei Places Bewertungen auf, die keine konkreten Aussagen beinhalten. Bei Qype müssen nichtssagende Bewertungen nochmals angepasst werden. Inzwischen bietet das Portal seinen Nutzern mehr als 2,2 Millionen Bewertungen. Nach wie vor hält Qype zudem an dem Konzept der Regionaltreffen fest, damit sich Nutzer aktiv austauschen können und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden kann. Regional-Publisher haben die Möglichkeit, künftig mit eben genau diesem Community-Knowhow bei ihren Anzeigenkunden zu punkten.

Schon jetzt zeigt sich aber auch ein gewisses Umdenken. Es sind vor allem aufstrebende Lokalmarketing-Dienstleister, die sich mittlerweile als Google-Zulieferer verstehen. Ein Beispiel dafür ist WinLocal. In der Rolle als Zulieferer wird für diese Dienstleister das eigene Portal lediglich Mittel zum Zweck. Die großen Online-Publisher könnten diesem Trend folgen. So haben sie gegenüber den aufstrebenden Lokalmarketing-Startups doch den entscheidenden Vorteil, dass sie über Kontakte und Kundenbeziehungen verfügen, die über Jahre gewachsen sind. Trotz dieser Chance sind viele Online-Publisher auch weiterhin nicht dazu bereit, ihr eigenes Geschäftsmodell zu überdenken und eine neue Richtung einzuschlagen. So möchte Qype seinen Kunden auch weiterhin die Möglichkeit einräumen, auf dem Portal Reputationsmanagement zu betreiben.

Eines ist dabei sicher – vor alle kleine Such- und Bewertungsportale werden langfristig nicht gegen das Angebot des Branchenprimus bestehen können. Auch wenn es bis dahin noch eine Weile dauern wird.

Quelle: ibusiness