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Twitter revolutioniert den Affiliate Markt

20
Nov

Der als vorübergehender Hype belächelte Microblogging Dienst wächst ständig weiter an und wird somit auch für das Online Marketing immer interessanter. Die Twitter Gründer sind immer noch damit beschäftigt geeignete Wege zu finden, um ihren Zwitscherdienst zu Geld machen zu können, während andere Twitter längst als lukrativen Vertriebsmarkt für sich entdeckt haben. Allen voran die Affiliate Branche, was weitreichende Folgen für Twitter hat.

Für das laufende Jahr rechnet der BVDW mit Umsätzen in der Höhe von mindestens 308 Mio. Euro innerhalb des Affiliate Marktes. Auch wenn diese vorsichtige Prognose – wahrscheinlich wird es mehr werden – zutreffen sollte, haben sich die Affiliate Umsätze somit seit 2004 mehr als verfünffacht, wobei der Pfeil weiter steil nach oben zeigt. Die Affiliate Branche ist nämlich stets darum bemüht neue Vertriebskanäle für sich zu finden, um die Werber bei Laune halten zu können und das Wachstum weiter voranzutreiben. Jüngst hat der Microblogging Dienst Twitter die Aufmerksamkeit der Branche auf sich gezogen – Experten gehen von großen Potentialen aus.

 

 

Strategisches Signal – Amazon steigt bei Twitter ein

 

Amazon zeigt zurzeit, wie man Twitter erfolgreich zur Monetarisierung nutzen kann. Der größte Online Händler der Welt hat vor Kurzem damit begonnen Twitter als Vertriebskanal zu nutzen. Über das Feature „Share with Twitter“ können Amazon Affiliates twitterfähige Links zu allen Produkten auf Amazon generieren. Die Produkte können so einfach für jeden eingeloggten Amazon Partner weiterempfohlen werden.

 

Nachdem Amazon das Affiliate Marketing am Ende der 90er Jahre fast alleine erfunden hat, werten Fachleute diesen Schritt als ein zukunftsweisendes, strategisches Signal. Amazon konnte bereits Wiederverkäufe in fünfstelliger Höhe über Web-Programme verzeichnen, als es Affiliate Netzwerke in diesem Sinne noch gar nicht gab. Amazon hatte bereits in der Vergangenheit immer eine Vorreiterrolle und war immer einer der ersten, bei der Umsetzung und erfolgreichen Monetarisierung von neuen Web Techniken – nicht umsonst konnte Amazon der weltweit größte Online Händler werden. Es ist also davon auszugehen, dass sich Amazon auch dieses Mal nicht irren wird.

 

Einen Unterschied zu den späten 90ern wird es allerdings geben: Amazon wird den neuen Vertriebskanal nicht lange für sich alleine haben, denn beispielsweise auch in Deutschland liebäugelt der Affiliate Markt bereits mit Twitter. So zum Beispiel das Netzwerk Superclix, bei dem bereits mehrere Affiliates mit Twitter erfolgreich Geld verdienen.

 

CEO und Gründer von Superclix – Marcus Lutz – spricht davon, dass die Modelle CPO (Pay per Sale) und CPL (Pay per Lead) bereits erfolgreich bei Twitter getestet wurden und erfolgversprechend sind. Als vorteilhaft sieht er, dass beim Microblogging Dienst die Werbung so oft platziert werden kann, wie es für richtig gehalten wird. Die Feeds sind auch nach Monaten noch vorhanden, weshalb auch lange nach der Veröffentlichung des Tweets Provisionen folgen können.

 

Für weniger sinnvoll hält Karsten Windfelder – Betreiber des Blogs 100 Partnerprogramme – das PPC (Pay per Click) Modell, was seiner Meinung nach aber zum Großteil an den AGBs der Auftraggeber liegt.

 

 

Die dritte Dimension der Relevanz

 

Für Daniel Neubauer – Director Web Services bei Zanox – beginnt mit Twitter die dritte Dimension der Relevanz innerhalb des Affiliate Marketings. Als erste Dimension bezeichnet er die Kontext Relevanz, die mit dem Aufkommen der Suchmaschinen begann. Als Communities immer stärker im Kommen waren, spielte die soziale Relevanz eine immer wichtigere Rolle, was die zweite Dimension einläutete. Mit Twitter beginne nun die dritte Dimension in Bezug auf die zeitliche bzw. örtliche Relevanz, da hier die Echtzeit Kommunikation im Fokus stehe. Twitter hat nämlich gegenüber den Suchmaschinen und den Online Portalen einen enormen Vorsprung. So wussten zum Beispiel Twitter User als erstes darüber Bescheid, dass Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Nicht umsonst bemühen sich Google und Microsoft darum, Twitter in Form einer Echtzeitsuche in ihre Suchmaschinen einzubauen.

 

Soziale Netzwerke wie beispielsweise Twitter sind bereits seit einiger Zeit dabei, den Suchmaschinen den Traffic streitig zu machen – mit Erfolg. Für das Affiliate Marketing bedeutet dies, dass durch einen einzigen Tweet im besten Fall mehrere Hundert Follower in Echtzeit erreicht werden können. Hinzu kommt, dass sich Twitter User untereinander ein relativ großes Vertrauen entgegenbringen, was die Öffnungsrate von Links, die auf Twitter gepostet werden, hoch hält. Darüber hinaus kommen noch virale Effekte hinzu: befindet ein Twitter User einen Tweet für wertvoll, wird er diesen retweeten und somit weiter verbreiten.

 

Der Twitter Erfolg steht und fällt somit an der Zahl der Follower. Aus diesem Grund muss man über möglichst viele Follower verfügen, wenn man Twitter gewinnbringend verwenden möchte. Wer es schafft eine breitere Masse zu erreichen, der wird auch Umsätze generieren können.

 

Dennoch gibt es auch hier Feinheiten zu beachten: bei Followern handelt es sich um reale Personen, die nicht mit Werbung bombardiert werden wollen. Es ist also sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt, um seine Follower nicht zu vergraulen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig die Glaubwürdigkeit sowie den eigenen Ruf nicht zu verlieren. Aus diesem Grund muss viel Wert auf Qualität gelegt werden, darüber hinaus sollte man nur Produkte bewerben, von denen man selbst überzeugt ist.

 

 

Die einzelnen Zielgruppen lassen sich clustern

 

Von den Potentialen des Zwitscherdienstes ist indes auch Daniel Schettner – NonstopConsulting – überzeugt, denn über Twitter lassen sich innerhalb von kürzester Zeit viele (potentielle) Kunden schnell erreichen. So können beispielsweise relevante Inhalte in Echtzeit an die Follower weitergegeben werden. Zudem wirken sich die Relevanzbezogenheit sowie die hohe Glaubwürdigkeit der Twitter User untereinander weiter positiv auf die Effizienz aus, was Twitter nach Schettner zu einem idealen Push Kanal macht. Bei Twitter bilden sich über kurz oder lang Micro Communities, also Zusammenschlüsse von Usern, die die gleichen Interessen haben. Das begünstige weiter das Vertrauen, das untereinander herrscht. So können sich auf Twitter die Zielgruppen clustern lassen und gezielt geworben werden.

 

Ein weiteres Potential liegt für Schettner und Neubauer in den Applikationen, die es für Twitter gibt. Eine derartige Applikation wurde gerade von Zanox auf den Markt gebracht. Mit Andora – so der Name der Applikation – können Produkte im Laden gescannt werden, die in weiterer Folge dann mit Hilfe von Twitter anderen Freunden empfohlen werden können. Eine vielversprechende und zukunftsweisende Applikation, bei der bereits 70 Mio. Produktangebote hinterlegt sind.

 

 

Bis es Twitter allerdings in den Affiliate Mainstream schafft, dürfte es noch einige Zeit lang dauern. So schenkt beispielsweise die Münchner Online Marketing Agentur Bigmouthmedia Twitter noch nicht wirklich viel Beachtung, sondern begnügt sich derzeit mit der Beobachtung der weiteren Entwicklungen. Für Bigmouthmedia stellt Twitter künftig eher einen wichtigen Zusatzkanal für Affiliates dar, beispielsweise für Gutscheincodes. Dabei seien allerdings gute, nützliche Inhalte sowie die nötige Vorsicht gefragt, um nicht sofort als Spammer zu gelten.

 

Darüber hinaus spielt auch hier der Mehrwert eine wichtige Rolle. Nur wer es schafft seine Inhalte mit einem Mehrwert zu versehen, wird erfolgreich sein und seine Follower nicht verlieren. Für gezielte Werbung sei die Eröffnung eines speziellen Twitter Accounts für Werbung empfehlenswerter, mit dessen Hilfe Produkte, Aktionen und spezielle Angebote gezielt beworben werden. Hier weiß der Follower nämlich worum es sich handelt und fühlt sich nicht für Werbezwecke „missbraucht“.

 

Lutz steht den reinen Werbe Accounts eher kritisch gegenüber. Seiner Meinung nach macht es mehr Sinn, wenn Werbung von bereits etablierten Twitter Accounts erfolgt. Dabei sollte allerdings nicht aggressiv auffordernd geworben werden, die Werbung sollte vielmehr in Form eines glaubwürdigen Tipps erfolgen. Das erhöhe nämlich die Leserate sowie die Effizienz der Werbung.

 

Um einen Twitter Account etablieren zu können, muss viel Arbeit im Vorfeld geleistet werden. So müssen über gute, nützliche und wertvolle Inhalte Follower generiert werden. Der Weg der aggressiven, direkten Werbung ist nach Lutz Ansichten der Falsche, denn so werden eher „Un-Follower“ generiert.

 

Zudem bietet die Echtzeit Kommunikation nicht nur Chancen, sondern birgt auch Gefahren. So kann ein fälschlicherweise getwitterter Preis schnell zu einem Skandal führen. Wird der Stein erst einmal ins Rollen gebracht, ist es praktisch unmöglich über die Meldungen die Kontrolle zu behalten geschweige denn diese aufzuhalten. Schettner sieht darüber hinaus ein Problem in den KurzURLs. Es ist nicht möglich zu sehen, was man verschickt. Darüber hinaus eigne sich Twitter nicht für jedes Produkt, da beim Microblogging Dienst Vergleichsservices oder Beratungstools – die zum Beispiel im Finanzsektor wichtig sind – fehlen.

 

Dass KurzURLs wirklich problematisch sind wird bereits jetzt deutlich. So werden beispielsweise in der Blogger Welt jetzt schon die Werbe Tweets von Amazon kritisiert, da es für den User nicht ersichtlich ist, was sich hinter den Links verbirgt. Kommentare wie „Bin auf den Link reingefallen. Eine Kennzeichnung als Werbebotschaft wäre in der Tat fair.“ oder „Einige Leute nutzen das aus, legen einen amazon-ähnlichen Twitter-Namen an und posten einen Affiliate-Link nach dem anderen. Das ist nervig. Wenn man ab und an mal einen Link einbindet mag das noch okay sein.“ sind in diesem Zusammenhang zu lesen.

 

Weitere Gefahren gehen laut Superclix Chef von den schlechten Kontroll- und Auswertungsfunktionen aus, nachdem Links mit Referrern und KurzURLs zum Großteil verschleiert werden. Des Weiteren ist der Anteil an internationalen Bots und Nutzern bei Twitter sehr hoch, weshalb es bislang auch nur vereinzelt gute und erfolgreiche Affiliate Twitter Accounts gäbe. Lutz geht dennoch davon aus, dass sich die Umsätze, die über Twitter generiert werden, in Deutschland bald erhöhen werden.

 

Für Karsten Windfelder ist klar: klare Regeln müssen auch für Affiliates im Twitter Umfeld her und fordert, dass sich der Arbeitskreis für Affiliate Marketing des BVDWs damit beschäftigt. Für ihn ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis Twitter von Netzwerken und Merchants als effektiver Werbe- und Vertriebskanal erkannt und entsprechend genutzt wird.

 

 

Quelle: ibusiness